Eröffnung der Froste aus Reippersberg am Sonntag, 14. Juni, 11:00 Uhr
Mehr als 70 historische Gebäude, ganz unterschiedlichen Alters, Herkunft und Funktion, sind in den zurückliegenden vier Jahrzehnten auf das Gelände des Hohenloher Freilandmuseums in Schwäbisch Hall-Wackershofen umgesetzt worden.
Damit werden einzigartige Zeugnisse des Lebens der Menschen auf dem Land in früheren Jahrhunderten bewahrt und öffentlich zugänglich gemacht. Im Entstehen begriffen ist seit einigen Jahren die Gebäudegruppe 20. Jahrhundert, hier sind bereits das Fertighaus des Fahrzeugherstellers MAN aus dem Jahr 1951, die Wohnbaracke einer Bessarabiendeutschen Familie ebenfalls aus dem Jahr 1951 und die Straßenwärterhütte von 1960 zu besichtigen. Zuwachs bekommt die Gebäudegruppe am Sonntag, den 14. Juni. Denn an diesem Tag wird hier um 11:00 Uhr ein weiteres Gebäude als Museumsgebäude eröffnet: Die „Froste“ aus Reippersberg.
In dem heute zu Gaildorf gehörenden Dorf wurde 1954 in ein gemeindeeigenes Gebäude eine Gemeinschaftsgefrieranlage eingebaut, die 10 Teilhabern einer privaten Initiative jeweils ein Fach zum Einfrieren von Lebensmitteln bereitgestellt hat. Die erforderliche Technik um Tiefkühltruhen zu fertigen, stand nach dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich zur Verfügung, allerdings waren diese Geräte derartig kostspielig, dass sie kaum für Haushalte im ländlichen Raum in Frage kamen. Eine in den 1950er Jahren vielerorts realisierte Alternative zur privaten Tiefkühltruhe war die Gemeinschaftsgefrieranlage. Ein Kühlaggregat versorgte mehrere Tiefkühlfächer, die Kosten für die Anlage wurden auf die Beteiligten umgelegt, womit die Belastungen für die einzelnen Teilhaber im Rahmen blieben. In Reippersberg fanden 1954 zehn Parteien zusammen und gründeten in privater Initiative die Gefriergemeinschaft. Die Gemeinde unterstützte das Vorhaben, indem sie den Raum in dem gemeindeeigenen Gebäude zur Verfügung stellte und die baulichen Voraussetzungen zum Einbau der Anlage schuf. Nachdem Tiefkühlgeräte für nahezu alle Bevölkerungsteile erschwinglich geworden waren, wurde die Anlage Mitte der 1990er Jahre außer Betrieb genommen, 2024/25 erfolgte die Umsetzung in das Freilandmuseum. Hier wird sie künftig im Originalzustand präsentiert, in einem weiteren Raum des kleinen Gebäudes ist die Dauerausstellung „Pökelfass und Tiefkühltruhe – Techniken der Haltbarmachung“ zu sehen.
Im benachbarten MAN-Fertighaus und der Wohnbaracke finden an diesem Tag Vorführungen im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe „Leben im Haus“ statt, Darstellerinnen und Darsteller veranschaulichen den Tagesablauf in den 1950er Jahren mit den damals üblichen – heute größtenteils vergessenen – alltäglichen Tätigkeiten und Abläufen im Haushalt. Alle historischen Gebäude des Freilandmuseums und Ausstellungen sind geöffnet. Um 14.30 Uhr beginnt der offene Themenrundgang „Warum klappert die Mühle?“, Treffpunkt ist der Infopavillon im Eingangsbereich des Museums. Zum Rasten und Stärken laden die Museumsgaststätte „zum roten Ochsen“, der Sommerkeller und die Besenwirtschaft ein, im Bauernhaus aus Schönenberg wird frischer Blooz gebacken.
Das Bild darf veröffentlicht werden, BU „Foto: Hohenloher Freilandmuseum“.